09/04/2019

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"131 Beiträge aus 23 Ländern": Das war die 10. Lesung seit Gründung der NeuLand-Zeitung

31.05.2019

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Die Selbstständigkeit einer Frau

Eine Frau in einer arabischen Familie zu sein, hat sowohl Vor- als auch Nachteile.

Frauen in Syrien sind sehr eingeschränkt. Das Gute daran ist, dass sie nicht arbeiten, leiden, kämpfen oder sich darum kümmern müssen, Geld zum Leben zu haben, wie Frauen in Deutschland. In arabischen Ländern übernehmen diese Verantwortung die Männer, denn sie sind die zuständigen Familienmitglieder, die alles für die Familie besorgen müssen. Die Frau soll nur an sich denken, wie sie sich schön macht und wie sie einen guten Mann herumbekommen kann. Die Frau kann zwar lernen, studieren, oft auch arbeiten und fast alles machen. Aber alles, was sie bekommt, soll sie für sich behalten. Obwohl sie viel von allem hat, soll sie alles vom Mann bekommen.

 

Das gibt der Frau viel Sicherheit, Stabilität und großen Schutz. Sie hat keine Ängste, dass etwas schief gehen kann oder dass sie in eine schwierige Situation kommt. Mir hat das gut gefallen und ich dachte, dass diese Situation und dieses Umfeld der Familie für Frauen das Beste ist, damit das Leben der Frau einfacher wird und Männer ihr die Belastungen des Lebens erleichtern.

 

Als ich nach Deutschland gekommen bin, war ich plötzlich alleine und habe herausgefunden, dass mein Leben schwieriger ist, als ich es mir vorgestellt habe. Hier habe ich nur Erfolg, wenn ich es alleine schaffe und es nicht meine Familie für mich macht. Ich habe entdeckt, dass das Leben nicht wie ein Spiel ist. Das Leben macht uns nicht immer Spaß, es lässt uns nicht immer in Ruhe. Plötzlich bin ich alleine in einem großen Land ohne Familie, die mich unterstützt. Mit neuer Sprache, neuer Kultur, neuen Gesichtern. Alles ist neu, alles ist schwer und alles braucht große Anstrengung.

 

Ich schätze zwar, was meine Familie für mich gemacht hat. Ich weiß aber, dass mir das in meinem neuen Leben nicht helfen kann. Ab jetzt muss ich alles alleine besorgen und niemand hilft mir. Ab jetzt habe ich nur das, was ich für mich selbst mache und was ich selbst schaffe. Es war für mich nicht einfach, diese Situation zu erfahren. Nicht nur weil sie sehr schwierig ist, sondern weil ich mich nicht an sie gewöhnt habe.

 

Gerade denke ich an die Situation der Frau in unseren arabischen Ländern und versuche zu verstehen, welche Situation besser ist und ob die Frauen in Syrien unter Druck sind. Selbstverständlich war mein Zustand in Syrien zwar bequemer und ich fühlte mich immer sicher, aber viele Sachen haben mir gefehlt, die ich erst hier alleine machen sollte. Hier sind die Frauen stärker, selbstbewusster und selbstständig, sie stehen vor Herausforderungen, die sie alleine meistern sollen und sie können überall, in allen Bereichen, sein und werden nie gezwungen, etwas zu tun.

 

Obwohl die Frauen in meiner Heimat selbstbewusst sind, können sie nicht machen, was sie wollen. Sie können nicht reisen ohne die Erlaubnis der Väter oder der Männer, auch wenn die Frau 18 Jahre oder älter ist. Das hängt tatsächlich nicht von den Regeln ab, sondern von den Traditionen.

 

Ich war zum ersten Mal in meinem Leben einkaufen, als ich in meine neue WG eingezogen bin. Damals habe ich viel gekauft, auch was ich nicht gebraucht habe. Vielleicht um mir zu beweisen, dass ich das machen kann. In Syrien war ich einmal einkaufen. Damals habe ich das ganze Geld, was ich hatte, dem Verkäufer gegeben und bin sofort nach Hause gegangen, ohne dass ich das Rückgeld genommen habe.

 

Bist jetzt habe ich noch nicht alles geschafft, was meine Familie früher für mich gemacht hat, das lerne ich aber zur Zeit und bald kann ich alles schaffen und darauf freue ich mich sehr.

 

Autorin: Samra Alabdo, Syrien

 

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