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31.05.2019

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Mein Weg nach Deutschland – Teil III

Anmerkung d. Red.: Dies ist Teil III von Iimaan H.‘s Fluchtbericht. Teil I + II sind hier zu finden.

Die folgenden Vorkommnisse haben sich zwischen Juli 2013 und April 2014 ereignet.

 

 Teil III:

 

Nachdem ich im Sudan genügend Geld verdient hatte, suchte ich nach einer Möglichkeit, nach Libyen zu gelangen. Es gibt Schlepper, die auf bestimmten Routen durch die Wüste fahren. Markiert sind diese durch Autoreifen. Feste Straßen gibt es nicht. Wir waren eine Gruppe von ca. 35 Personen, darunter 10 Frauen, eine davon schwanger. Jeder hatte etwa 20 Liter Wasser und einige Konservendosen mit Ananas oder Thunfisch und etwas Brot.

 

Wir fuhren am Tag und schliefen nachts im Sand. Die Frauen nahmen wir in die Mitte. Die Nächte waren unerträglich kalt. Ich benutzte einen alten Getreidesack als Schlafsack. Am Tag war es sehr heiß, vor allem weil wir ohne Sonnenschutz auf der Ladefläche saßen.

 

Nach etwa drei Tagen wurde bei einem Halt der Fahrer gewechselt. Wir hatten drei Fahrer für den ersten Teil der Wüste bis zur Stadt Sebha*.

 

Der zweite Fahrer behandelte uns besonders respektlos. Er nahm uns das Trinkwasser aus den Flaschen ab und wusch damit seine Kleidung. Den Rest verwendete er als Kühlwasser für den Motor. Uns gab er stattdessen Wasser aus ungereinigten Benzinfässern. Viele von uns wurden davon krank.

 

Die Weiterfahrt wurde immer gefährlicher, weil bewaffnete Leute aus dem Tschad die Grenze überschritten und immer wieder Geld von uns forderten. Sie schlugen uns auch und traten uns mit den Füßen. Dabei wurde mir mein Handy weggenommen, weil ich keine 50 Dollar zahlen konnte.

 

 

Etwa in der Mitte des Weges hatten wir mehrere Tage Aufenthalt. Dort waren viele Leute, die auf der Flucht waren oder mit den Flüchtlingen ihr Geschäft machten. Hier verlangten die Schlepper von uns für den nächsten Teil des Weges 1000 Dollar. Ich hatte mein im Sudan verdientes Geld im Gürtel eingenäht. Damit bezahlte ich nun meine Weiterfahrt und 100 Dollar für einen Flüchtling, der nicht mehr genug Geld hatte. Um etwas besser respektiert und weniger geschlagen zu werden, gab ich mich als Sudanese mit somalischer Mutter aus.

 

Nach 20 Tagen kamen wir in der alten libyschen Stadt Sebha an. Dort mussten wir weitere 600 Dollar zahlen, damit jemand für uns die Überfahrt mit dem Schlauchboot organisiert. Mit einem Taxi fuhren wir nach Tripolis, weil von dort aus die Überquerung des Mittelmeers organisiert wird. Ich beobachtete das Meer vor der Überfahrt immer. Der Schlepper hatte meine Familie übers Telefon informiert, dass ein Teil der Gruppe, die mit mir die Wüste durchfahren hatte, ertrunken war, auch die schwangere Frau.

 

Schließlich fand ich ein Boot. Als wir losfuhren, war es völlig überfüllt und der Motor versagte nach zwei Stunden. Alle gerieten in Panik und standen auf, so dass das Boot fast gekentert wäre. Wasser geriet ins Boot und in die Treibstofftonnen, auch im Boot selbst stand Meerwasser und war mit Diesel vermischt. Es brannte auf der Haut. Der Kapitän brachte mit unserer Hilfe den Motor wieder zum Laufen und wollte die Fahrt fortsetzen. Wir zwangen ihn aber, wieder nach Tripolis zurück zu kehren.

 

Mein Geld war leider weg.

 

Gleich nach unserer Rückkehr wurden diejenigen von uns, die sich nicht freikaufen konnten und wie ich keine Papiere hatten, von der Polizei in ein Gefängnis gebracht, in einen Raum ohne Tageslicht.

 

 

*Anmerkung d. Red.: Sebha ist eine Stadt mit ca. 100.000 Einwohnern im Zentrum Westlybiens. Sie liegt jeweils ca. 500 km von der Grenze zum Tschad im Süden und vom Mittelmeer im Norden entfernt.

 

 

Autor: Iimaan H., Somalia

Illustration: Elena Buono

 

 

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