09/04/2019

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31.05.2019

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Arbeit in Deutschland

Seit ich in Deutschland lebe, habe ich viele schöne Erlebnisse gehabt. Die Menschen in Freising haben mir dabei geholfen, eine Unterkunft zu finden und Deutsch zu lernen – dafür bin ich wirklich dankbar. Nach mehr als zwei Jahren Deutschkurs fühle ich mich mittlerweile verhandlungssicher. Spätestens seit ich angefangen habe, nach einem Job zu suchen, weiß ich auch wie wichtig das ist.

 

Denn bei der Jobsuche habe ich Erfahrungen gemacht, die ich in Deutschland nicht erwartet hatte. Im Dezember 2015 habe ich in München für einen Job bei einem Pizza-Lieferdienst vorgesprochen. Das Gespräch lief gut, ich habe den Job bekommen, mein erster in Deutschland. Das anfängliche Hochgefühl wich jedoch schnell einem Zustand der Verwirrung. Bevor ich loslegen durfte, musste ich seitenweise Papiere ausfüllen. In den folgenden Wochen wurde mir einmal mehr deutlich, dass Deutschland ein Bürokratie-Land ist. Mittlerweile weiß ich: Es gibt viele, die sich penibel daran halten, es gibt aber auch solche, die es mit den Regeln nicht so genau nehmen.

 

Ich warte seit etwas mehr als zwei Jahren auf Asyl, noch ist mein Antrag nicht genehmigt. Ich hatte also einen Job, die nächste große Hürde war jedoch die Arbeitserlaubnis. Vier Anträge lehnte das Landratsamt ab, ehe sie meinen fünften annahmen. 8,97 Euro Brutto-Stundenlohn sollte ich bekommen. Mir wurde schnell klar, dass man in Deutschland einen Vertrag unterschreibt, bevor man zu arbeiten beginnt, weil man sonst schwarz arbeitet.

 

 

In meiner Heimat Afghanistan ist das alles etwas weniger streng und weniger kontrolliert. Hätte es in meiner Heimat vor drei Jahren mehr Kontrollen und weniger Schlupflöcher für Korruption gegeben, dann hätte ich wohl dort weiterleben können und wäre jetzt in der Endphase meines Studiums. Ich wollte mich von der Mafia nicht als Drogenschmuggler einspannen lassen, was meinem besten Freund das Leben kostete und mir zumindest einen Teil davon. Manchmal frage ich mich, ob es nicht besser gewesen wäre, nachzugeben, das Opium im Wagen zu verstecken. Stattdessen musste ich meinen Tod fingieren, bis auf die engsten Familienmitglieder weiß in Afghanistan niemand, dass ich noch lebe. Wenn einem so etwas wie mir passiert, muss man die Konsequenzen seines Handelns irgendwann akzeptieren. Ich kann immerhin sagen, dass ich kein Gesetzesbrecher war und bin, und ich will es auch nicht werden. Und deshalb war ich auch so irritiert, als ich mitbekam, dass bei meinem Arbeitgeber viele nur Teilzeit gemeldet waren, aber Vollzeit gearbeitet haben. Einige haben auch komplett schwarz gearbeitet, es hat niemand kontrolliert. 

 

Die Stimmung unter den Mitarbeitern war manchmal etwas angespannt, das mache ich daran fest, dass ich in dieser Zeit sehr viele Schimpfwörter gelernt habe. Und dann kam, was ich irgendwie schon befürchtet hatte: Mein neuer Chef beim Pizzalieferdienst wollte auch mich dazu überreden wollte, schwarz für ihn zu arbeiten, um die Steuern einzusparen. Erst bot er mir drei Euro pro Stunde an. Als ich ablehnte, erhöhte er auf vier Euro. Ich wollte das nicht, und Ahmad, der so etwas wie ein Vorarbeiter war, versuchte mir Angst zu machen, wenn ich meine Arbeit kündige, werde der Chef für mich ein so schlechtes Zeugnis erstellen, dass ich keine Arbeit mehr finde. Es war ziemlich eindeutig, dass ich und dieser Betrieb nicht miteinander zurecht gekommen sind. Ich bin schließlich zum Arbeitsgericht gegangen, wo ich einen Teil meines Gehalts erstritten habe.

 

Ich denke, dass ich mich gut wehren konnte, weil ich bereits die Sprache beherrscht habe. Ich finde, man muss sich als Flüchtling anpassen, und dankbar sein, dass man in einem fremden Land die Chance bekommt, zu arbeiten. Aber ich finde nicht, dass man sich ausnutzen lassen darf.

 

 

Autor: Asef Naderi, Afghanistan

Illustration: Antje Krüger

 

 

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