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Liebesmutter

25.12.2016

 

Das Schicksal eines Flüchtling-Mädchens aus dem Irak

 

Ich bin 17 Jahre alt und komme aus dem Irak. Mein Name hat zwei Bedeutungen, die eng in Verbindung mit meinem Schicksal stehen: Einerseits war ich ein Geschenk für meine Mama, die keine Kinder bis dahin bekommen konnte und andererseits bedeutet mein Name, dass ich etwas bin, was man gut behüten sollte. Bei meiner Geburt ist meine Mutter nämlich gestorben.

 

Die ersten fünf Tage meines Lebens habe ich keine Nahrung bekommen, da ich unter Betreuung meiner Tante war, die Schwester meines Vaters. Diese machte mich schuldig für den Tod meiner Mutter und deswegen wollte sie, dass ich auch, genauso wie sie, sterbe. Die andere Tante (die Schwester meiner Mutter) sowie meine Oma haben mich jedoch nach den fünf Tagen heimlich gefüttert.

 

Ein weiterer Bruder meiner Mutter und seine Frau haben beschlossen, mich zu adoptieren, sich um mich zu kümmern und mich großzuziehen. Zuerst haben sie meinem Vater diesen Vorschlag gemacht. Er hat sich sehr gefreut, da es für ihn als Vater von sieben Kindern sehr schwer gewesen wäre, sich noch um ein kleines Baby alleine zu kümmern. Daraufhin durfte ich zu meiner Tante, die ab dem Zeitpunkt meine Mama geworden ist. Allerdings hat sie nach 40 Tagen meinen leiblichen Vater gefragt, ob er mit seiner Entscheidung immer noch sicher ist und ob er mich eventuell zurückhaben möchte. Mein Vater hat daraufhin gesagt, sie wäre die beste Mama für sein Kind und sie soll sich um es kümmern, solange sie lebt. Im Alter von ca. 12 Jahren ging es mir allerdings schlecht. Ich habe viel geweint und auch gespürt, dass das nicht meine leiblichen Eltern waren. Niemand hat aber zu diesem Thema etwas gesagt. Erst als ich 14 Jahre alt war, haben meine Eltern mit mir offen darüber gesprochen. Ab diesem Zeitpunkt ging es mir dann wieder besser und ich konnte mein Schicksal akzeptieren. Wir haben regelmäßige Treffen mit meinem leiblichen Vater und meinen Geschwistern organisiert, sodass ich auch diesen Teil meiner Familie kennenlernen durfte. Meine Mutter hat jedes Mal geweint, weil sie Angst hatte, dass sie mich eventuell verlieren würde, wenn ich nach so einem Besuch nicht mehr zurückgekommen wäre.

 

Ich bin sehr glücklich inmitten meiner neuen Familie groß geworden. Meine Eltern waren sehr verständnisvoll und haben mich immer in meinem Vorhaben unterstützt. Sie haben mir ermöglicht, auf eine gute Schule zu gehen, die ich als beste Schülerin abgeschlossen habe. Sie haben nach langem Überlegen und Diskussionen akzeptiert, dass ich sie und meine Heimat verlassen und nach Deutschland, in ein sicheres Land für Frauen flüchten möchte, weil sie meinen Wunsch nach einer besseren Zukunft schätzen. Ich bin ihnen für alles sehr dankbar und liebe sie über alles.

 

 

Autorin: A. H., Irak

 

 

 

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